PA #13 Trip-Report: Powderchase in Andermatt

gmeampatrick

Ja der Winter 2016/17 ist kein einfacher. Die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit zu treffen gilt nicht nur im Gelände, sondern bereits vor der Anreise. Glück ist ja bekanntlich nicht planbar, doch genau das versuchen tausende Freerider nach jedem Sturm, der die Alpen mit Neuschnee versorgt. Mit gesammelten Erfahrungswerten steigen eure Chance den Powder-Jackpot zu treffen, Morris versorgt euch mit seiner Vorhersage regelmäßig mit den besten Tipps für eure möglichen Reiseziele. Detaillierte Trip-Planung, Unterkünfte buchen, die Lawinensituation in den Regionen vergleichen und vieles mehr erfordert trotzdem jede Menge Aufwand. Zum PowderAlarm #13 konnten knapp 30 Powderchase-Teilnehmer ganz entspannt abwarten, bis zwei Tage vor dem Wochenende eine Email verkündete: Andermatt is the place to go!

Viel Regen, viel Schnee, viel Stoke

Im November letzten Jahres habe ich euch von der Powderchase berichtet. Zwei unserer Leser haben im BMW-Gewinnspiel je einen der begehrten Powderchase-Plätze ergattert. Eine Serie von Stürmen brachte Anfang März wieder Schwung in das vom Hochdruck bestimmte Alpen-Wetter. Der relativ trockene Februar war Geschichte. Auf PowderAlarm #12 folgte nur drei Tage später PowderAlarm #13. Binnen weniger Tage kam gebietsweise mehr als ein Meter Neuschnee herunter. PA #12 sorgte noch für kalten Powder im Wald und einen der besten Saisontage in Gebieten in Österreich, Frankreich und der Schweiz. PA #13 machte die Suche dann deutlich schwieriger, denn ein Warmfront sorgte für einen gewaltigen Anstieg der Schneefallgrenze.

6-Tage Schneevorhersage zum PA #13

Angekommen in Andermatt waren zwei Dinge sehr schnell klar: Es hat gab hier noch größere Niederschlagsmengen als die Modelle ohnehin schon berechnet hatten, allerdings kamen diese bis auf 2500 m als Regen herunter. Mehrere Tage lang stand die Gemsstockbahn zuvor still, Freitagnachmittag sollte sie wieder öffnen. Die Powderchase-Gruppe hoffte und hatte Glück. Während am Vormittag noch eine Lawinensprengung nach der anderen durchs Tal dröhnte, war das Gebiet gegen Mittag gesichert und Freerider konnten endlich auf den fast 3000 m hohen Gipfel. Die offensichtlichen Hänge waren schnell verspurt, doch die Powderchaser konnten das gesamte Wochenende tolle Runs bei strahlender Sonne genießen.

Weit mehr als 1m Neuschnee in 96 Stunden

Trotz Gefahrenstufe vier war das Felsental schon am ersten Tag befahrbar, durch das Guspis ging es dann am zweiten Tag, als die Schneedecke sich durch die Sonneneinstrahlung rasch setzen konnte. An die steileren Routen und Couloirs war bei diesen Bedingungen jedoch nicht zu denken. Zu viel Schnee wurde verfrachtet, zu beständig das Altschneeproblem in dieser Höhe. Die Teilnehmer hatten großen Spaß und genossen die gewaltige Bergkulisse am Gotthard-Pass. Sie erlebten Run für Run jegliche Facetten von Schneequalität (von kaltem Powder am Berg zu durchfeuchteter Slush im Tal) und hatten eine gute Zeit beim geselligen Zusammensitzen am Abend. Mehr zum Ablauf der Chase könnt ihr im Leser-Bericht von ShredderMax nachlesen.

Powderchasers on the hunt

Eine Jagd für Jedermann?

Wenn ihr euch die 5 Gründe für eine Powderchase durchlest, dann ist diese Rechnung in Andermatt voll aufgegangen. Das schwierige Wetter wurde optimal genutzt, die Teilnehmer mussten sich keine Gedanken zur Planung machen, konnten sich am Berg voll auf ihre Lines im unverspurten Schnee konzentrieren und haben neue Powder-Buddies kennengelernt. Der einzige Nachteil großer Gruppen mit Bergführern besteht allerdings darin, dass ihr große Aufmerksamkeit erregt und andere Gruppen euren Spuren folgen. Das kann schnell zu gefährlichem Powder-Stress führen, da jeder als erstes in den unverspurten Hang will. Behaltet immer einen kühlen Kopf, egal ob in der Gruppe oder nicht und denkt an das Löwen-Syndrom. Mehr zum Thema könnt ihr in diesem Artikel von TobyMcGreen lesen.

Zufriedene Gesichter am Abend

Es wird Frühling, oder doch nicht?

Das war die letzte Powderchase dieser Saison. Sobald die Termine für den kommenden Winter stehen, werden wir euch informieren. Auf der Heimreise kletterte dann das Thermometer schon am Vierwaldstättersee auf frühlingshafte Temperaturen. Kaum zu glauben, wenn man eine Stunde zuvor noch auf einem tief verschneiten Gipfeln stand. Mitte März fühlt sich heuer an wie Mitte April, doch in diesem Winter überrascht eigentlich gar nichts mehr…

T-Shirt Wetter auf der Rückreise. Kommt jetzt der Frühling?

Übrigens tauchen in der aktuellen Prognose wieder über 100 cm Neuschnee für dem Gemsstock auf. Aber Vorsicht, denn es ist wieder mit Wind über Verfrachtungsstärke zu rechnen und auch Gefrierpunkt und Schneefallgrenze werden in großer Höhe liegen. Das SLF rechnet zum Wochenende mit einem Anstieg der Lawinengefahr von mäßig (2/5) auf groß (4/5). Geht nur mit dem notwendigen allgemeinen und regionalen Wissen ins Gelände oder bucht einen Berführer.

Shred save, Patrick

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